Berufung

Einige Tage bevor ich die Anzeige über den Informationsabend „Qualifikation zur Tagesmutter“ las, war ich mit meiner Tochter beim Arzt. Ins Wartezimmer kam eine Tagesmutter mit Ihrem Mann und 4 Tageskindern. Ein Junge von 4 Jahren, ein Mädchen von ca. 3 Jahren ein Junge um die 2 und ein Kleinkind noch kein Jahr alt im Buggy.

Wow, jetzt geht´s rund hier, dachte ich.

-Totale Stille- .
Das sind die bravsten Kinder die ich bis dahin gesehen habe, oder die sind gedopt.
Die Tagesmutter wurde ins Sprechzimmer gerufen
– immer noch Ruhe –

Der 4 jährige sah sich eine Landkarte in einer Zeitschrift an und fing an, dem Mann etwas zu erzählen: „Da ist Hamburg, da wohne ich. Da unten im Osten, ist Thüringen. Da wohnt meine Oma. Da muss man 4 Stunden Autofahren, so weit ist das. Darum können wir nicht oft hinfahren.“

Ab und zu ein Mmh, mehr kam von dem Mann nicht.

Endlich fing das Kleinkind an etwas zu quengeln. Die anderen im Wartezimmer guckten genervt. Von dem Mann kein Zuspruch, kein Trost, nichts.

Als es lauter wurde, ging ich in die Spielecke und holte einen Plastikstab auf den man verschieden große Ringe stecken konnte. Ich fragte den Mann ob das o.k. ist und gab dem Kind das Spielzeug.

Nur ein wenig Aufmerksamkeit und es war still. Der Junge mit der tollen Erzählung von seiner Oma kam, und ich sagte ihm: „gut das Du kommst, dann kannst du dem Kleinen ja zeigen wie es geht.“

Ich setzte mich wieder auf meinen Platzt und die Kleine die bisher schüchtern in einer Ecke stand kam zu mir und legte mir ein Buch auf den Schoß.

Als meine Tochter zurück ins Wartezimmer kam, hatte ich den 2 jährigen auf dem einen Bein, das Buch auf dem anderen. Die beiden größeren Kinder standen davor und wir schauten zusammen das Buch an.

Noch beim Rausgehen, sagte meine Tochter zu mir: „Das solltest Du beruflich machen.“

Kinder haben uns etwas zu sagen. Ob quengelnd im Buggy, still auf einem Stuhl sitzend, schüchtern in einer Ecke stehend oder von der Oma, die man viel zu selten sieht, erzählend. – Wir müssen nur zuhören.